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Aufbau Tankstelle

Das Freilichtmuseum Glentleiten wächst um ein weiteres Gebäude: Eine Tankstelle aus dem Ortsteil Brem in der Gemeinde Unterwössen (Lkr. Traunstein) ergänzt demnächst die Ausstellung des zentralen oberbayerischen Freilichtmuseums. Sie stammt aus den 1950er Jahren und stand an Deutschlands ältester Ferienstraße, der deutschen Alpenstraße. Sie dokumentiert damit den beginnenden Tourismus der Nachkriegszeit in Oberbayern, den Aufbruch in die Moderne und ist anschaulicher Beleg für die Anpassungsfähigkeit des Landhandwerks. Denn als motorisierte Pferdestärken die echten Pferde ablösten, entschieden sich viele Schmiedebetriebe und Wagnereien für die Einrichtung von KFZ-Werkstätten und Tankstellen. Das war auch in Unterwössen der Fall, wo noch heute ein Schild an die Walchschmiede erinnert, die einst dort stand.

Die ehemalige Gasolin-Tankstelle hat bis heute nahezu unversehrt die Jahrzehnte überdauert. Sie war bis Mitte der 1980er Jahre in Betrieb. „Mit der Tankstelle können wir ein weiteres Kapitel Tourismusgeschichte aufschlagen“, erklärte Museumsdirektorin Dr. Monika Kania-Schütz. „Die Not der Nachkriegszeit war überwunden, man fuhr wieder in den Urlaub. Viele Gäste wollten die landschaftliche Schönheit Bayerns genießen und nutzten die Alpenstraße.“

Die Gemeinde Unterwössen gestaltet die Ortsdurchfahrt in Brem neu und hat sich deshalb verpflichtet, die Tankstelle des Typenbaus „T6“ zurückzubauen. Witterungsabhängig wird die Translozierung nach Großweil zügig im Jahr 2020 erfolgen. Dann zerlegen die Spezialisten des Freilichtmuseums Glentleiten das Gebäude mit dem weit vorkragendem Flugdach in drei Teile. Es ist in Bayern die erste und bundesweit erst die dritte Tankstelle, die im Originalzustand in ein Freilichtmuseum transportiert wird. Bislang stehen die ortsprägenden Gebäude aus der Mitte des 20. Jahrhunderts in Freilichtmuseen am Kiekeberg bei Hamburg und in Detmold. Sie sind Zeugnisse für die zunehmende Mobilität und die wachsende Bedeutung des Autos.