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Aufbau Zwiehof-Wohnhaus aus Oberau, Berchtesgadener Land (51 a)

Geschichte der Hofanlage

Die idealtypische Hofanlage, bestehend aus Wohnhaus (Feuerhaus), Stallstadel (Futterhaus) und Getreidekasten, stellt einen Bergbauernhof dar, wie er charakteristisch für das Berchtesgadener Land ist. Die Gebäude stammen von zwei unterschiedlichen Anwesen, dem Mösler-Lehen in Ramsau und dem Marosen-Lehen bei Berchtesgaden. Die Situierung im Freilichtmuseum entspricht dem jeweiligen Originalstandort mit ausgeprägter Hanglage. Ein Zwiehof besteht nicht zwingend aus zwei Gebäuden, mit kleinen Nebengebäuden können es auch drei oder vier sein. Der Ausdruck benennt aber die beiden wichtigsten Gebäude: das Wohnhaus mit Feuerstelle, Wohnstube und (Vorrats-)Kammern sowie den Stadel mit integriertem Stall.

Das Wohnhaus des Marosen-Lehens zählt zu den ältesten datierten Blockbau-Wohnhäusern in Oberbayern. Die auf der Firstpfette eingeschnitzte Jahreszahl 1592 konnte durch die Methode der Dendrochronologie bestätigt werden: Das Bauholz war im Winter 1591 gefällt worden. Dieser frühen Bauzeit entsprechend besitzt das Haus noch kein ausgebautes Dachgeschoss, sondern nur einen niedrigen Kniestock. Die gemauerte Rauchküche mit Tonnengewölbe und Deutschem Schlot wurde vermutlich im 18. Jahrhundert eingebaut. Archivalisch lässt sich die Geschichte des Marosen- oder Bernegg-Lehens bis 1387 zurückverfolgen. Die Erträge der Landwirtschaft reichten hier in der Regel nicht für ein Auskommen, weshalb die Bauern immer noch einen Nebenerwerb hatten. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert war das die für Berchtesgaden typische Herstellung von einfachem Spielzeug oder Schachteln in Heimarbeit. Später dann arbeiteten die Hofbesitzer als Zimmerleute und Hilfsarbeiter. 1960 errichtete man neben dem alten Wohnhaus einen Neubau und zog in der Folge um.

historische Ansicht von Süden, 1906
historische Ansicht von Süden, 1906

Der aktuelle Wiederaufbau im Museum

Bereits 1993 wurde das kleine Wohnhaus des sog. Marosen-Lehens bei Berchtesgaden abgebaut. In Einzelteilen zerlegt, wartete das historische Gebäude über 25 Jahre im Depot auf den Wiederaufbau. Nun ist es endlich soweit: Der Rohbau steht, das Dach ist eingedeckt, und so konnte im Freilichtmuseum bereits Richtfest begangen werden!

Erbaut im Jahr 1592, handelt es sich um eines der ältesten Architekturexponate des Museums. Dementsprechend sorgsam ging man beim Wiederaufbau mit der historischen Bausubstanz um: Wo immer möglich, griffen die Museumshandwerker auf die originalen Bauteile zurück, schadhafte Balken wurden sensibel repariert bzw. ergänzt und nur im Falle eines Totalverlustes komplett ausgetauscht. Eine künstliche Angleichung ist dabei nicht angedacht, vielmehr sollen Besucherinnen und Besucher auch zukünftig Neues von Altem unterscheiden können.

Auch wenn sich das Zwiehof-Wohnhaus mittlerweile ohne Kran und ohne Winterzelt präsentiert, gibt es noch einiges zu tun. Das Gelände und die Wege müssen angepasst bzw. neu angelegt werden, am und im Gebäude selbst stehen noch diverse Verputz- und Malerarbeiten an, ehe die Inneneinrichtung angegangen werden kann. Und schließlich muss noch eine ansprechende Präsentation mit Informationen zum Gebäude konzipiert werden, denn ein Haus mit so reicher Bau- und Bewohnergeschichte hält viele spannende Themen parat.

Am Ende des Wiederaufbaus erwartet Sie ein weiteres spannendes und attraktives Architekturexponat; gleichzeitig vervollständigt das neue Gebäude im Museum die idealtypische Hofanlage eines Berchtesgadener Zwiehofes. Eröffnet wird das Wohnhaus vom Marosen-Lehen voraussichtlich 2021.

Richfest am Marosenlehen
Richfest am Marosenlehen