Präsentationszeit: 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts
Die Fischbachmühle gehörte zu einem landwirtschaftlichen Anwesen mit stattlichem Grundbesitz und war eine „Lohnmühle“. Das heißt, hier wurde nicht nur das eigene Getreide, sondern vor allem das der umliegenden Höfe gemahlen: Die Bauern aus der Umgebung brachten ihr Getreide zum Müller und mussten für das Mahlen bezahlen. Seit 1916 nutzte man die Wasserkraft, um mit einem Generator Strom für das angrenzende Wohnhaus, den Stall und die Mühle zu erzeugen.
1280 wird in Nidervisbach erstmals eine Hofstelle mit Mühle urkundlich erwähnt. Seit 1499 befindet sich diese dann im Besitz der Familie Noderer. Das freistehende, gemauerte Mühlengebäude datiert in die Zeit um 1800. Kurz nach 1900 wurde die Mühlentechnik erneuert: Dazu baute man um 1904 Teile aus einer anderen Mühle ein. Vier Jahre später wurde das Wasserrad durch ein größeres ersetzt – die Antriebstechnik bestand jetzt fast vollständig aus Eisenteilen. Außer zum Mahlen von Getreide setzte der „Fischbachmüller“ die Wasserkraft zum Antrieb von Schleifstein, Band- und Kreissäge ein, auch Häcksler und Dreschmaschine wurden damit betrieben und außerdem Strom für Haus, Stall und Mühle erzeugt. Bis 1940 wurde die Lohnmüllerei betrieben, für den Eigenbedarf noch bis 1965 gemahlen.
Ein kleines Elektrizitätswerk
Seit 1916 erzeugte in der Fischbachmühle ein Generator zur Beleuchtung Strom aus Wasserkraft. Weil die Wasserkraft für den gleichzeitigen Betrieb von Getreidemühle und Generator nicht ausreichte, speicherte man den Strom in Akkumulatoren. Auf diese Weise ließe sich bis 1960 der Eigenbedarf decken.
Es klappert die Mühle …
In der Fischbachmühle erfolgt die Nutzung der Wasserkraft mit Hilfe eines oberschlächtigen Wasserrads: Dabei wird Wasser über ein Gerinnen von oben auf die Radschaufeln gelenkt. Die Drehbewegung des Wasserrads wird mit Hilfe von Zahnrädern und Transmissionsriemen auf die „Mahlgänge“ übertragen. Diese bestehen aus zwei aufeinanderliegenden Steinscheiben: dem Boden- und dem Läuferstein. Der Läuferstein dreht sich, während der Bodenstein fixiert ist. Von oben wird gereinigtes Getreide eingeschüttet und zwischen den beiden Steinen zerrieben. Das gemahlene Getreide gelangt in den „Beutelkasten“.
Dort wird ein feinmaschiger Beutel aus Seidengaze mittels Wasserkraft gerüttelt – von dieser Bewegung stammt das typische Klappern der Mühle. Das feine Mehl fällt durch die Maschen in den Mehlkasten, der gröbere Rest wird durch die vordere Öffnung des Beutelkastens auf das Rüttelsieb bewegt. Dieser Rest besteht aus Gries, Schrot und Kleie, die das Rüttelsieb voneinander trennt. Den Vorgang wiederholt der Müller bis zu sieben Mal, erst dann hat er den optimalen Ertrag erzielt. Aus 100 kg Getreide lassen sich 75 kg Mehl gewinnen; es bleiben 25 kg Kleie, die als Futter an das Vieh verfüttert werden.







