Kalkofen mit Kalkgruben

Ein rundes zylinderförmiges Gebäude mit offener Tür steht an einer Wiese, drumherum Bäume.

Präsentationszeit: Anfang des 20. Jahrhunderts

Dieser Kalkofen ist ein originalgetreuer Nachbau eines Ofens, der noch heute in Lenggries steht. An einen gemauerten Vorraum mit Pultdach schließt sich der Brennraum mit Schornstein an. Aus dem Kalk, der hier gebrannt wurde, konnte Mörtel hergestellt werden, er wurde auch zum Anstreichen von Wänden und als Düngemittel verwendet.

Für Bauern war das Kalkbrennen ein einträglicher Nebenerwerb. „Steinklauberinnen“ hatten die Aufgabe, Kalksteine zu sammeln, die sie beispielsweise im Flussbett der oberen Isar fanden. Hauptabnehmer des Kalks waren damals Städte und Klöster. Aber auch die Bauern benötigten Kalk, zum Beispiel beim Mauerwerksbau oder zum jährlichen Wändeweißeln. Als sich im ausgehenden 19. Jahrhundert die industrielle Kalkherstellung durchsetzte, verlor der Kalkofen auf dem Hof rasch an Bedeutung. Der hier nachgebaute Kalkofen ist funktionstüchtig und wird genutzt, um Kalk für den Bedarf des Freilichtmuseums herzustellen. Kalkgruben ergänzen die Darstellung der Brennvorgänge.

Kalkbrennen

Der Vorraum diente den Kalkbrennern als Aufenthaltsraum, außerdem lagerte hier ein Teil des Brennholzvorrats. Durch einen überwölbten Gang (Feuerungsraum) ist er mit dem Brennraum verbunden. Über dem ovalen Grundriss, der sich nach oben erweitert, erhebt sich der Schornstein. Sein Schlot ist mit einer verstellbaren Klappe abgeschlossen, um den Luftzug regulieren zu können. Der Schornstein, der sich nach oben stark verjüngt, machte es möglich, unabhängig vom Wetter zu brennen. Ältere Öfen hatten noch keinen Schlot. Auch heute muss vor dem Brennen zuerst der Ofen eingerichtet werden: Aus Bruchsteinen wird ein überwölbter Gang aufgeschichtet und der Brennraum mit Kalksteinen gefüllt. Dann wird das Feuer im Durchgang zwischen Vor- und Brennraum entfacht. Der Brand, bei dem 40 bis 50 Festmeter Holz verbraucht werden, dauert vier bis fünf Tage und Nächte. Bei einer Temperatur von etwa 1.000 Grad Celsius wird der aus Calciumkarbonat bestehende Kalkstein entsäuert. Bis der Ofen schließlich wieder abgekühlt ist, dauert es noch einmal ein bis zwei Tage. Jetzt muss er sofort entleert werden. Der übrig gebliebene „Branntkalk“ wird mit Wasser übergossen, so entsteht „Sumpfkalk“. Auf diese Weise wird Kalk lagerfähig gemacht. Mit Sand und Wasser vermischt, kann man aus Kalk Mörtel herstellen. Beim Abbinden und Austrocknen verwandelt Mörtel sich zurück in hartes Calciumkarbonat – das Ausgangsprodukt des Brennvorgangs.