Präsentationszeit: Mitte des 20. Jahrhunderts
Die Kapelle, die dem heiligen Georg geweiht war, stammt aus Kirnberg, einem Weiler mit elf Bauernhöfen. Sie gehörte der „Kirnberger Kapellengemeinschaft“, die sich mit der Errichtung einen Gebets- und Andachtsraum geschaffen hatte. Kosten und Unterhalt wurden gemeinschaftlich getragen. Die Kapelle ist also ein privater Andachtsraum, der von den Kirnberger Bauern entsprechend ihren persönlichen Bedürfnissen und Gewohnheiten mit Altären, Heiligenfiguren und Bildern ausgestattet wurde. 1977/78 entschloss sich die Kapellengemeinschaft zu einem Neubau und übergab das alte Gebäude dem Freilichtmuseum.
Überaus schlicht präsentiert sich das kleine Bauwerk: schmucklose Bretterfassade mit nur zwei Fenstern, einfaches Satteldach mit Biberschwanzdeckung, nur der kleine Dachreiter mit Glockenstuhl deutet auf eine sakrale Nutzung hin. Im Kern handelt es sich bei der Kapelle um einen Blockbau. Aus didaktischen und auch konservatorischen Gründen wurde im Museum auf der Südseite die Bretterschalung abgenommen, sodass an dieser Stelle die Konstruktion sichtbar wird.
Bei der Übernahme des Gebäudes kam das originale Inventar nicht mit ins Museum, sondern verblieb in Kirnberg im Nachfolgebau. Die heterogene Einrichtung setzte sich im Wesentlichen zusammen aus säkularisiertem Kirchengut der Barockzeit, Produkten des regionalen Kunsthandwerks (Oberammergau, Murnau) aus dem frühen 19. Jahrhundert sowie Öldrucken und Lithografien aus dem späten 19. Jahrhundert. Um diesem ursprünglichen Zustand so nahe wie möglich zu kommen, wurden die entsprechenden Ausstattungsstücke entweder rekonstruiert oder durch vergleichbare Stücke aus anderen Beständen ersetzt.






