Präsentationszeiten: um 1621; um 1980
Wirtschaftliche Grundlagen: Die Bewohner waren Knappen im Salzbergbau und Spielzeugmacher.
Der Flurname Steinbichl beschreibt die Lage des kleinen Anwesens, zu dem kaum Grundbesitz gehörte, an einem steinigen, unfruchtbaren Berghang. Da die Anwohner weder Ackerbau noch Viehhaltung betrieben, hatte sie der Grundherr, das Augustinerchorherrenstift in Berchtesgaden, von den sonst üblicherweise zu leistenden Naturalabgaben befreit. Das Steinbichlhäusl, ein Holzbau mit gemauerter Küche, war nie ein Bauernhof – es hatte nicht einmal einen richtigen Stall. Dafür gehörte zum Haus ein so genanntes verbrieftes Bergrecht, das heißt, die Bewohner hatten Anspruch auf Arbeit als Bergknappen im Salzbergwerk Dürrnberg. Ein zusätzliches, wichtiges Einkommen erwirtschafteten sich die Bewohner mit Drechseln und Schnitzen: In der Stube wurde in Heimarbeit einfaches Spielzeug, die “Berchtesgadener War”, hergestellt.
Gut zu wissen
Besonders in Tourismusregionen werden alte Gebäude, die keinen anderen Zweck mehr erfüllen, zumindest noch an Urlauber oder Gäste vermietet. So werden aus Bauernhäusern Ferienhäuser – eine typische Entwicklung, die auch das Steinbichlhäusl genommen hat. Von 1970 bis 1990 war es als Wochenenddomizil vermietet, aber nicht mehr regelmäßig bewohnt. In dieser Zeit war es der Mieter, der Reparaturen und kleinere Umbauten vorgenommen und mit Fantasie und einfachsten Mitteln unkonventionelle Lösungen für etwas mehr Komfort gefunden hat: Den Abort verlegte er vom Schupfen ins Hausinnere und baute stattdessen im Klohäuschen eine Dusche ein.






