Präsentationszeit: um 1880
Wirtschaftliche Grundlagen: Köhlerei mit kleiner Landwirtschaft
Das Weißenbachgütl lag fernab von Rottau auf einer Rodungsinsel im Bergwald. Bis Ende des 19. Jahrhunderts verdienten die Bewohner dort ihren Unterhalt als Köhler, daneben betrieben sie eine kleine Landwirtschaft. Der Einfirsthof wurde 1746 in Mischbauweise aus Holz und Stein errichtet.
Man betritt das Haus von der Giebelseite, der mittig gelegene Flur führt zum Stall. Rechts des Flurs liegen Stube und Küche, links befindet sich eine Werkstatt, dahinter die Speisekammer. Der Keller unter der Werkstatt und das Erdgeschoss des Gebäudes sind gemauert. Im Obergeschoss wurde der Wohnteil als Blockbau errichtet, während der Heuboden traditionell eine verschalte Ständerkonstruktion ist.
Der Wohnbereich wird im Zustand um 1880 gezeigt: Die Räume sind zeittypisch ausgestattet, die eingebauten Wandkästchen in der Stube Originale. Die Küche hat ein Gewölbe aus Tuffstein, der offene Herd mit Deutschem Schlot wurde nach Spuren an der Wand rekonstruiert. Der steinerne Grand zeugt davon, wie man das Weißenbachgütl mit fließendem Wasser versorgte: Von einer 100 m entfernten Quelle wurde es mithilfe von hölzernen Rohren direkt in die Küche geleitet.
Gut zu wissen
Der Wirtschaftsteil dient als Ausstellungsraum zur Vertiefung des wichtigen Themas “Wasserversorgung auf dem Land”. Dort erfährt man, dass ein Widder nicht unbedingt ein Schafbock ist, oder auch, wie früher ein Brunnen gebaut wurde.
Köhler im Weißenbachgütl
Die durch Quellen belegte Geschichte der Hofstelle ist älter als das Haus und beginnt 1671 mit Hanns Stephl von Kollen: Laut einem Steuerbuch besaß er eine Sölde und zwei Kühe, möglicherweise arbeitete er auch schon als Köhler – der Flurname “Kollen” und die bescheidene Landwirtschaft deuten darauf hin. Der Hofname “Weißenpach” ist hingegen erstmals für das Jahr 1695 belegt. Über die Aufgaben eines Köhlers im 19. Jahrhundert geben die Archivalien Auskunft: Von 1859 bis 1893 arbeitete ein Köhler namens Mathias Huber auf dem Weißenbachgütl, der im Durchschnitt 100 Klafter Holz (etwa 300 Ster) pro Jahr zu verkohlen hatte. Veranschlagt man 50 Klafter Holz für einen Meiler, waren das zwei Meiler im Jahr. Für den Transport der Kohle zu den Abnehmerinnen und Abnehmern war der Köhler selbst verantwortlich, die Lieferung erfolgte im Winter mit dem Schlitten. Sogenannte Eßbraschen, kleine gebrochene Holzkohle, konnte an die Schmiede der Umgebung verkaufen. Das hochwertige Material wurde an die Eisenhütte in Bergen geliefert. Die über 200 Jahre belegte Tradition des Kohlenbrennens auf dem Weißenbachgütl endet im Jahr 1893.







