Die Einrichtung der Seilerei ist aus dem 19. Jahrhundert und stammt aus einer Werkstatt, die bis 1925 in Weilheim / Obb. in Betrieb war. Um sie in diesem Umfang ausstellen zu können, wurde im Freilichtmuseum eigens ein Neubau errichtet. Hier wird regelmäßig vorgeführt, wie ein Seil in Handarbeit entsteht.
Größe und Aussehen des neu errichteten Gebäudes orientieren sich an den Angaben des Seilermeisters Josef Kratzmair aus Weilheim. Er stiftete auch die Ausstattung, zu der Seilgeschirr, Seillehre und Seilwagen gehören. Ausgestellt sind außerdem Geräte zur Hanfbearbeitung.
Das Handwerk der Seiler war früher weit verbreitet, denn ihre Produkte waren in der Landwirtschaft, im gewerblichen Bereich sowie im Schifffahrts- und Fischereiwesen unentbehrlich. Der Seiler fertigte neben vielfältigem Schnurmaterial vor allem Zügelleinen, Kälberstricke, Seile zum Anbinden des Wiesbaumes auf dem Heuwagen, Aufzugsseile für das Bauhandwerk, Glockenseile für Kirchen und Seile für die Flößerei und Schifffahrt. Im Zuge der Industrialisierung drängte die mechanisierte Seilherstellung das Handwerk im 19. Jahrhundert zurück und die Handarbeit wurde unrentabel.
Den Rohstoff des Seilerhandwerks lieferte der Hanf, dessen Fasern sich aufgrund ihrer Länge und Reißfestigkeit besonders gut zur Herstellung von Seilen eigneten. Sind die Fasern zu Fäden versponnen, werden diese mithilfe von Seilgeschirr und Seilwagen zu einer Schnur zusammengedreht. Wiederholt man dieses Verfahren, kann aus mehreren Schnüren ein Strick gewonnen werden und aus mehreren Stricken ein Seil.
Schauen Sie bei einer der Vorführungen vorbei und helfen Sie dem Seiler beim Drehen eines Kälberstricks! Das Seil können Sie mit nach Hause nehmen (4 Euro).



