Tankstelle aus Brem

Eine alte Tankstelle mit überdachten Zapfsäulen und einer Zapfsäule etwas weiter weg ohne Dach. Die Marke ist Gasolin, wie ein hängendes Schild am Straßenrand verrät. Gerade ist ein BMW vorgefahren.

Mit der Gasolin-Tankstelle aus Brem hält die „Wirtschaftswunderzeit“ Einzug im Freilichtmuseum Glentleiten. Errichtet 1955/56 unmittelbar an der Deutschen Alpenstraße, steht die Tankstelle im Museum für die allgemeine Mobilisierung und Motorisierung, aber auch speziell für den damals aufkommenden Autotourismus. Mit ihren runden Formen, bunten Farben und modernen Materialien hebt sich die Tankstelle deutlich ab von den anderen Gebäuden – wie schon an ihrem ursprünglichen Standort.

1953 eröffnete Familie Meier in der kleinen Ortschaft Brem eine Gasolin-Tankstelle – unmittelbar an der Deutschen Alpenstraße, die vom Bodensee zum Königssee führt. Anfangs standen die beiden Zapfsäulen noch unter freiem Himmel. Erst 1955/56 wurde das Tankstellengebäude mit Kassenhäuschen und ausladendem Flugdach errichtet, nur die Diesel-Zapfsäule blieb weiterhin im Freien. Anders als der erste Eindruck vermuten lässt, kam beim Bau kaum Beton zum Einsatz: Der Kassenraum ist ein verglaster Stahlskelettbau, der hintere Teil des Gebäudes dagegen ein massiver Ziegelbau. Beim eleganten Flugdach wiederum handelt es sich um eine Stahlkonstruktion mit eingelegten Holzlamellen, das Ganze verschalt, überputzt und mit Blech eingedeckt. Bis 1971 strahlte das Gebäude in den Firmenfarben Rot und Weiß. Mit der Übernahme der Gasolin AG durch den Konkurrenten Aral AG erhielt die Tankstelle in Brem einen blauen Anstrich. 1982 stellte Familie Meier den Tankstellenbetrieb ein.

Von der Schmiede zur Tankstelle

Tankstellen entstanden häufig im Umfeld von Schmieden. Das hatte mehrere Gründe: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sank infolge der zunehmenden Mechanisierung die Zahl der Pferde, die beschlagen werden mussten. Gleichzeitig konnten Nägel und andere Metallprodukte industriell weitaus billiger hergestellt werden. Daher schwenkten viele Dorfschmiede um auf die Wartung und Reparatur der neuartigen Maschinen und Motoren sowie später der aufkommenden Automobile. Da war es nur mehr ein kleiner Schritt zum Benzinverkauf – so auch in Brem.

1855 hatte der Schmied Mathias Meier ein Anwesen direkt am Wössener Bach erworben. Neben der Schmiede betrieb er bald auch eine Sägemühle und zusätzlich stellte er die für sein Handwerk wichtige Holzkohle selbst her. Die nachfolgenden Generationen gingen dann mit der Zeit: Aus der Schmiede entwickelte sich in den 1930er-Jahren die „Mechanische Werkstätte Oberwössen“. Und 1953 eröffnete Familie Meier auf ihrem Anwesen eine Tankstelle.

Typenbau

Die Gasolin AG wollte, wie auch die anderen großen Mineralölkonzerne, dass ihre Tankstellen leicht wiederzuerkennen waren. Daher entwickelte das Unternehmen eine begrenzte Anzahl an Tankstellentypen mit einheitlichem Design. Bei der von Familie Meier in Brem errichteten Tankstelle handelt es sich um den Typ G T6/II. Alle Typen einte die moderne Formensprache: flache, ausladende Flugdächer, viel Glas, Beton (zumindest in der Anmutung) sowie kräftige Farben. Dadurch spiegelten gerade Tankstellen den allgemeinen Fortschrittsglauben der damaligen Zeit wider. Dass sich die modernen Gebäude vor allem in den Dörfern deutlich von der Umgebung abhoben, wurde dabei nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern als bewusster Aufbruch in die Moderne verstanden.

Wagenpflege

Tankstellen der „Wirtschaftswunderzeit“, also der 1950er- und 1960er-Jahre, waren Serviceeinrichtungen. Sie hatten weit mehr zu bieten als nur Kraftstoff: Neben dem Auftanken erledigte der Tankwart auch viele weitere Wartungsarbeiten am Auto, ob nun Reifendruckkontrolle, Schmierdienste oder Ölwechsel. Die größeren Tankstellen nutzten dazu oftmals eine integrierte „Wagenpflegehalle“ mit Hebebühne. In Brem wurden diese Dienstleistungen entweder unter freiem Himmel ausgeführt oder aber in einem ehemaligen Stallgebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite. 1965 errichtete Familie Meier schließlich eine separate Wagenpflegehalle, unmittelbar neben der Tankstelle. Beide Gebäude bildeten fortan ein zusammengehöriges Ensemble, verbunden auch durch eine einheitliche Farbgebung. Mittelfristig soll dieses Ensemble auch im Museum wiederhergestellt werden.