Präsentationszeit: Mitte des 20. Jahrhunderts
Antrieb: Elektromotor
Die Anlage umfasst das Werkstattgebäude mit Säge und den überdachten Lagerplatz.
Die beiden Bauten, eine Werkstatt mit Tuffsteinsäge und ein Lagerschuppen, werfen ein Schlaglicht auf die Gewinnung und Verarbeitung von Kalktuff im südlichen Oberbayern. Insbesondere südwestlich von Ammer- und Starnberger See finden sich eine Vielzahl unterschiedlich ausgedehnter Vorkommen dieses für die Region typischen Baustoffs.
Die wirtschaftlich bedeutendsten Aufschlüsse des Gesteins liegen bei Polling und Huglfing. Hier wurde Kalktuff von spezialisierten Familienbetrieben oder im bäuerlichen Nebenerwerb gebrochen. Die im Steinbruch herausgearbeiteten Blöcke wurden zersägt und an Baufirmen weiterverkauft. Der regionaltypische Kalktuff fand Verwendung als Baumaterial und als Werkstoff für Steinmetzarbeiten.
Ein klassischer Familienbetrieb
Das Ensemble „Tuffsäge“ umfasst das Werkstattgebäude mit der Sägeeinrichtung und den überdachten Lagerplatz. Die im Museum präsentierten Bauteile und das technische Inventar stammen aus einem ehemaligen Steinbruch- und Steinmetzbetrieb in Huglfing. Im Familienbetrieb Galitz/Albrecht haben Gewinnung und Verarbeitung von Kalktuff eine lange Tradition. Gegründet wurde die Firma Mitte des 19. Jahrhunderts von Johann Galitz, Maurermeister, Steinmetz und Steinbruchbesitzer. Ein Geschäftsbuch aus dem Jahr 1877 ermöglicht Einblicke in die Aufträge des Betriebs zu dieser Zeit. Es enthält unter anderem Abrechnungen für Projekte, wie Baumaßnahmen an der Eisenbahntrasse zwischen Weilheim und Murnau, den Bau eines Wohngebäudes in Berg bei Huglfing und den Umbau des Pfarrhofs in Huglfing. Daneben lieferte Johann Galitz an andere Steinmetze oder direkt an Bauherren fertige Produkte aus Kalktuff, zum Beispiel Platten, Sockel oder Fensterbänke. Das Unternehmen wurde Mitte der 1890er-Jahre an den ältesten Sohn Georg übergeben, der in den folgenden Jahren durch Zukauf von weiteren Steinbrüchen den Kalktuffabbau auf eine breitere Basis stellte. Aus dieser Zeit stammen auch die beiden heute im Freilichtmuseum befindlichen Gebäude und die hölzerne Trennsäge in der Werkstatt. Von 1941 an führte dann die Witwe Theresia Galitz gemeinsam mit der Tochter Amalie vier Jahre lang die Geschäfte, bis 1945 der Schwiegersohn Josef Albrecht in das Unternehmen einstieg. In den Nachkriegsjahren und erst recht in der Zeit des einsetzenden Wirtschaftswunders verlor der Tuff seine Bedeutung als Werkstein und wurde zeitweise durch Hohlblocksteine aus Tuffsand ersetzt. Tuffblöcke wurden nun vor allem im Bereich der Bauplastik und für bildhauerische Zwecke verarbeitet. Dennoch investierte der Betrieb in den 1950er-Jahren in eine neue Technologie und schaffte sich die elektrisch betriebene Gattersäge an.
1971, bei der Übergabe an die nächste Generation, wurde das Familienunternehmen aufgeteilt und Ernst Albrecht übernahm den Steinmetzbetrieb mit fünf Mitarbeitern. Damals waren die Lagerstätten und die Nachfrage nach Tuffprodukten weitgehend ausgereizt. Ab 1983 arbeitete Ernst Albrecht nur noch sporadisch auf Nachfrage Bildhauer- und Steinmetzaufträge aus.
Der Steinbruch
Das Ensemble wird vervollständigt durch einen rekonstruierten Steinbruch. Hier ist die Situation in einem Kalktuffbruch ausschnitthaft nachgebildet – mit unterschiedlichen Steinbruchzuständen: von „frischen“ Schnittkanten bis hin zu verwitterten und teils renaturierten Geländeabschnitten. Ergänzend sind für den Kalktuff typische Ruderalpflanzen sowie Weiden und Erlen angesiedelt.






