Präsentationszeiten: 17. Jahrhundert; 2. Hälfte 19. Jahrhundert
Wirtschaftliche Grundlagen: Vollerwerbslandwirtschaft
Am ursprünglichen Standort in Heretsham war das Wohnstallhaus Teil einer imposanten Vierseithofanlage. Diese gehörte zum direkt daneben liegenden Schloss Heretsham, das 1404 durch das Trostberger Adelsgeschlecht der Herzheimer erbaut worden war. Der Hof wird zum ersten Mal 1484 urkundlich erwähnt, um 1625 ist Christoph Mörner als Hofbesitzer genannt. In dieser Zeit bürgerte sich auch der Hausname ein.
In diesem Wohnhaus präsentiert das Museum traditionelles ländliches Handwerk und Gewerbe. Die Räume im Erdgeschoss des Wohnteils sind als Werkstätten für Handwerksvorführungen eingerichtet. Der Wirtschaftsteil wiederum beherbergt Ausstellungen zu ländlichem Nischengewerbe in Oberbayern. Im Obergeschoss sind zudem prächtige Wandmalereien aus dem 17. Jahrhundert zu sehen. Wegen dieser Wandmalereien wurde das Haus auch an die Glentleiten übernommen.
Ländliches Handwerk und Gewerbe
Die Werkstätten im Erdgeschoss des Wohnteils zeigen einen Ausschnitt aus der Vielfalt des ländlichen Handwerks, das eine zentrale Rolle in der dörflichen Selbstversorgung spielte. Im ehemaligen Wirtschaftsteil des Mörner-Hofs werden im Erdgeschoss Maschinen der „Schuhgelenkfabrik Sollfrank“ aus Au bei Bad Aibling präsentiert. Der Unternehmer Georg Sollfrank produzierte im 20. Jahrhundert (bis ins Jahr 2000) elastische Plättchen aus Buchenholz, die als „Gelenk“ zwischen Ober- und Untersohle hochwertiger Schuhe eingelegt wurden, und belieferte damit Schuhfabriken weltweit.
Im Obergeschoss ist eine ungewöhnliche Maschine zum Knüpfen von Rohrmatten zu sehen, die 2001 in die Sammlung des Museums kam. Schilfrohrmatten dienten beim Hausbau als Putzträger. Die manuell betriebene Knüpfmaschine war seit Ende des 19. Jahrhunderts im Einsatz und ist ein Beispiel für eine unkonventionelle Geschäftsidee.
Ebenfalls im Obergeschoss ist Inventar der ehemaligen „Spenglerei Zannantonio“ aus Starnberg ausgestellt. Der Lebenslauf des ehemaligen Werkstattbesitzers spiegelt die damaligen Lebensverhältnisse aus der Perspektive der Zuwanderer: Der „bayerische Italiener“ Pietro Zannantonio stammt aus einem Dorf in den Dolomiten. Mangels wirtschaftlicher Perspektiven in seiner Heimat musste Pietro als Saisonarbeiter ins Ausland gehen. Seit 1900 arbeitete er im Sommerhalbjahr als wandernder Kesselflicker in der Gegend um Starnberg, wo er sich im Jahr 1909 schließlich mit seiner Familie niederließ und später eine eigene Werkstatt eröffnete. Hier wurde mit Drückbank, Spindelpresse und Formen einfaches Haushaltsgeschirr aus Blech hergestellt. Aus dem ärmlichen Wanderarbeiter wurde ein erfolgreicher und angesehener Geschäftsmann.
Im “Mörner” finden Vorführungen zur Schäfflerei, Schreinerei, Sattlerei und zum Schnitzen statt.







