Die 1928 als Sägewerk errichtete Zollingerhalle ist ein eindrucksvolles Beispiel für frühe Industriearchitektur auf dem Land. Das Dachwerk, das den stützenfreien Raum überwölbt, ist als Lamellenkonstruktion ausgeführt, die Friedrich Zollinger Anfang der 1920er-Jahre entwickelt hatte. Die konstruktive Innovation, bei der einzelne Bretter (Lamellen) zu einem tragfähigen Gitterwerk verschraubt werden, vermarktete der Erfinder erfolgreich als „Dach der Zukunft“.
Im Vergleich zu einem herkömmlichen Dachstuhl mit Sparren und Bindern konnte man mit dieser Konstruktion bis zu 40 Prozent Material einsparen. Da die Lamellen industriell gefertigt werden konnten und es sich bei den Schraubverbindungen um handelsübliche Ware handelte, war das Dachwerk insgesamt kostengünstig. Und schließlich wurden für die Montage keine Fachkräfte mehr benötigt, auch insofern galt diese Hallenbauweise als äußerst wirtschaftlich.
Bauherr dieser Halle war der Landwirt Johann Bichler aus Oberwarngau. Mit dem Sägewerk wollte er seinem Sohn Marinus, der als Zweitgeborener den Hof nicht erben konnte, das Auskommen in der Zukunft sichern. Das für den Bau benötigte Holz sollte aus dem eigenen Wald kommen, wo vom Wind umgeworfene Bäume (minderwertiges Holz) dringend auf ihre Verwertung warteten. Die Zollinger Lamellenbauweise kam Bichler wie gerufen.
Eine Innovation in Krisenzeiten
Zollingers Lamellenkonstruktion erlebte ihre Blütezeit in den 1920er-Jahren, die in Deutschland gekennzeichnet waren durch einen Wechsel zwischen Notzeiten und konjunkturellem Aufschwung. Gefragt waren „technischer Fortschritt“ und „internationale Wettbewerbsfähigkeit“. Die Erfindung traf also genau den Zeitgeist. Serielle Fertigung und geringer Arbeitsaufwand beim Aufbau des Lamellendachs entsprachen der Forderung nach Rationalisierung von Arbeitsprozessen. Zollinger war nicht nur ein genialer Erfinder, er entwickelte auch ein erfolgreiches Geschäftsmodell mit straff organisiertem Vertriebsnetz zur internationalen Vermarktung des „Zollbau-Lamellendaches“.







